Bochumer Botanischer Verein e. V. - Exkursionen
Hohe Mark - 16.05.2009


Die Hohe Mark ist ein großes Waldgebiet im Norden des Ruhrgebiets. Der Naturpark zwischen Schermbeck und Dorsten wird dominiert von Kiefernforsten, in die ehemalige, aber auch riesige noch in Betrieb befindliche Sandgruben eingestreut sind. Von botanischem Interesse sind besonders die vielen Sandarten, die sich in den Gruben und an Wegrändern einfinden. Viele dieser Arten treten in Bochum auf Industriebrachen auf. Angelegte Teiche und Überbleibsel von früher größeren Mooren weisen ebenfalls seltene Arten auf. Insgesamt sind in diesem Raum ca. 40 Rote-Liste-Arten zu finden. Ziel war es, einen Teil dieser in der Region sehr seltenen Arten aufzusuchen. Die Rote Liste (RL) -Werte sind in Klammern angegeben (RL NRW/Westfälische Bucht).

Auch geologisch hat die Hohe Mark einige Besonderheiten zu bieten. Der Untergrund besteht aus den sog. Halterner Sanden. Hierbei handelt es sich um etwa 70 Mio. Jahre alte Meeresablagerungen der Oberkreidezeit. Die Sande sind zum Teil quazitisch bzw. durch Eisenverbindungen verfestigt und bilden harte Bänke aus. Eine absolute Besonderheit stellt der schwarze Wüstenlack dar, welcher die Oberfläche der Sandsteine an südexponierten Hängen überzieht.

Protokoll



Im Angesicht einer ehemaligen Sandgrube...

... eine kurze Einführung ins Gebiet.

Zu Anfang ein Hinweis auf eine sehr seltene, neophytische Besonderheit aus Nordamerika, die hier an der bekannten Stellen durch Zerstörung des Wuchsortes aber mittlerweile verschwunden ist (an anderer, benachbarten Stelle aber noch wachsen soll):

die Sparrige Navarretie (Navarretia squarrosa), ...

... eine stark drüsige und stark stinkende Polemoniaceae...

... auf die zu achten bleibt.

Auch verbreitete Arten kommen nicht zu kurz

Einweisung in die die kleinen gelben häufigen Klee-Arten, hier der wirkliche echte "Kleine Klee" (Trifolium dubium)


Kompass-Lattich (Lactuca serriola) anschaulich dargestellt


Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Schönes Widertonmoos (Polytrichum formosum) ...

... mit Kapsel, die noch von der haarigen Haube (Kalyptra) bedeckt ist

Die sog. "Moosblüte" (Perichaetien) bei Polytrichum formosum

Glashaar-Haarmützenmoos (Polytrichum piliferum)

Aloeähnliches Filzmützenmoos (Pogonatum aloides)

Kaktusmoos oder Heidepest (Campylopus introflexus) ...

... eine Neophyt aus Australien

Naturidylle in einer ehemaligen Sandgrube, ...

.. mit einer Vielfalt an bunten Sanden


Durch Kieselsäure und Eisenverbindungen verhärtete Sandsteinbank mit einer überregionalen Besonderheit:


Wüstenlack! Dieser dunkle Überzug entsteht durch Ausfällung von Eisen- und Manganoxiden bei Verdunstung des Porenwassers. Daher ist die Wüstenlackbildung auf die warmen, südexponierten Felsflächen beschränkt.

Wohnungen der Uferschwalbe
(Riparia riparia, RL 3/3)

Wohnungen der Larve des Ameisenlöwens mit Kuli (die Rolle des Kulis auf diesem Bild bleibt umstritten ...)

Arten aus dem Sand

Frühlings-Spark (Spergula morisonii), eine Art der noch offenen Sande (RL 3/3)

Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus)

Sand-Segge ...

... Carex arenaria (RL 3/*)

Sand-Vergissmeinnicht ...

... Myosotis stricta (RL */3)

Man steckt die Köpfe zusammen: ...

... Kleines Filzkraut (Filago minima, RL 3/3)

Rote Schuppenmiere (Spergularia rubra)

Nelken-Haferschmiele (Aira caryophyllea, RL 3/3)

Frühe Haferschmiele...

... Aira praecox (RL 3/3)

Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida, RL 3)

Feuchte Ausbildung der Sandheide (Genisto-Callunetum molinietosum, RL 3/3)

Der Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) ernährt sich von Kot, hier von der Losung des Wildschweins.

Hunds-Veilchen ...

... Viola canina (RL 3/2)

Ein kurzer Blick in die Wälder

Die potentielle natürliche und teilweise auch noch reale Vegetation: der Birken-Eichenwald (Betulo-Quercetum, RL 2/R) ...

... die allerdings vielerorts heute durch Kiefernforste ersetzt ist.

Rankender Lerchensporn (Ceratocapnos claviculata)

Harzer Labkraut (Galium saxatile)

Schattenblümchen (Maianthemum bifolium)

Blutwurz (Potentilla erecta)

Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea, RL 3/3)

Rotstängelmoos (Pleurozium schreberi)

Pfeiffengras (Molinia caerulea)

Ein bezauberndes Kunstwerk: der Keimling der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), die in der Hohen Mark überall eingebürgert ist.

Kurze News aus der Tierwelt

Fichtenkreuzschnäbel (Loxia curvirostra) ...

... an einem Wasserloch

Wasserfrosch (Rana kl. lessonae)

Zauneidechse (Lacerta agilis, RL 2/3)

Jakobskrautbär (Tyria jacobaea) ...

... RL 3

trockengefallener Delfin (Delphinidae, RL 0)
 

Arten aus dem Feuchten und Nassen

Auch vegetativ zu erkennen:

Der Dreizahn (Danthonia decumbens)

Sumpfquendel (Peplis portula, RL */3)

Die Gesellschaft der Zweizeiligen Segge (Caricetum distichae)

mit Dominanz der ...

... Zweizeiligen Segge (Carex disticha)

Schlank-Segge...

... Carex acuta (= C. gracilis)

Grau-Segge (Carex canescens, RL */3)

Schnabel-Segge (Carex rostrata, RL 3/3)

Schmalblättriges Wollgras
(Eriophorum angustifolium, RL 3/'N)

Gewöhnlicher Wassernabel
(Hydrocotyle vulgaris, RL */3)

Sumpfblutauge (Potentilla palustris, RL 3/3)

Schlangenwurz (Calla palustris, RL 3/3N)

Und wohl die größten (botanischen) Highlights des Tages

Sumpf-Bärlapp (Lycopodium inundatum, RL 2/3N)

Übersehener Wasserschlauch (Utricularia australis, RL 2/2), der mit seinen bizarren Saugblasen Kleintiere unter Wasser fängt

Mittlerer Sonnentau
(Drosera intermedia, RL 3N/3N),...

... hat bereits sein Opfer verdaut, fast nichts ist übrig geblieben: die Drüsenhaare umfassen das Außenskelett (mouse it!)

Viel Neues!
 
Ansprechpartner: Armin Jagel