Bochumer Botanischer Verein e. V. - Exkursionen
Brombeeren im NSG Resser Wäldchen in Herne - 06.09.2009



Auf der so genannten Emscherinsel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal erstreckt sich an der Stadtgrenze von Herne und Gelsenkirchen das NSG "Resser Wäldchen". Bekannt ist das Gebiet für seine alten von Sandbirken begleiteten Stieleichen-Hainbuchen-Bestände, die Relikte des ehemaligen "Emscherbruchs" sind. Auch das Vorkommen der im Ballungsraum Ruhrgebiet "vom Aussterben bedrohten" Ringelnatter ist bemerkenswert.
Diese Exkursion galt im Wesentlichen der Beschäftigung mit Brombeer-Arten. Die Gattung Rubus gehört zu den artenreichen apomiktischen (agamospermen) Artengruppen unserer Flora. Den Einstieg in ihre Bestimmung zu finden, ist in der Regel nicht ganz einfach. Deshalb wurden auf der Exkursion die wesentlichen bestimmungsrelevanten Merkmale vermittelt, mit denen man Arten erkennen, aber auch Gruppen bilden kann, die dann die Artbestimmung erleichtern können.

Protokoll


Es kann Loos gehn, ...


... als erste Brombeere erst mal eine "leichte":

Section Rubus (Echte Brombeeren)
- Subsection Rubus (Sommergrüne Brombeeren)

... die hochbogig wachsende "Nessi" (beschrieben vom Loch Ness), die Halbaufrechte Brombeere (Rubus nessensis) ...

... mit oberseits glänzenden, unterseits schwach behaarten Blättern ...

... kantenlosen Schösslingen und ...

... purpurroten Stacheln.


Unreife Früchte der Nessi

 

Die Sparrige Brombeere

... Rubus divaricatus, ...

... mit lang gestieltem Endblättchen

... stark glänzenden Blättern, besonders die jungen, daher auch Glänzende Brombeere genannt, ...

und kantigen rötlichbraunen...

... Schösslingen
   

Üppige Brombeere ...

... Rubus vigorosus ...

... mit ledrigen Blättern und einer auffällig breiten Endfieder ...

... die manchmal gelappt ist.

Section Rubus (Echte Brombeeren)
- Subsection Hiemales (Wintergrüne Brombeeren)
-- Serie Discolores (Zweifarbige Brombeeren)

Winters Brombeere (Rubus winteri) mit breiter Stachelbasis ...

... mit lang gestielten Blättern mit scharf abgesetzter Träufelspitze an der Endfieder, ...

... unterseits grauweißfilzig

im Vergleich: Rubus armeniacus links und Rubus winteri rechts

Die Schlankstachelige Brombeere ...

... Rubus elegantispinosus

... Name ist Programm.

Nicht untypisch auch ihr Rostpilzbefall

Ein kurzer Augenblick der Entspannung, ein bisschen sacken lassen

Ja, was gibts denn da?

... Stechendes im Tierreich

Teiche mit soviel Besonderheiten, dass Skepsis angesagt ist, ...

... denn Krebsscheere (Stratiotes aloides) ist doch etwas dick aufgetragen, Wildvorkommen gibt es wohl in NRW nicht mehr.

Wasserfeder (Hottonia palustris), hier wohl heimisch und von Vorkommen aus der Nachbarschaft eingeschleppt.

Teich mit Kleiner Wasserlinse (Lemna minor) und Dreifurchige Teichlinse (Lemna trisulca)

Große Posthornschnecke (Planorbarius corneus)

Verwildert im feuchten Wald: Pfeifenstrauch oder Falscher Jasmin ...

... Philadelphus coronarius bzw. eine Hybride davon
   
Section Rubus (Echte Brombeeren)
- Subsection Hiemales (Wintergrüne Brombeeren)

-- Serie Sylvatici (Wald-Brombeeren)

Ebenfalls bogig wachsend und mit plötzlich und lang zugespitzten Blättern: die Angenehme Brombeere ...

... Rubus gratus, Charakterart des Rubetum grati.

... und kantigen, rot überlaufenen Schößlingen.

Wer eigentlich erfindet solche Namen?

Vielleicht bezieht er sich ...

... auf die Früchte?

Serie Vestiti (Samtbrombeeren)
 

Pyramiden-Brombeere (Rubus pyramidalis) ...

... mit grob gezähntem Blattrand, auswärts gekrümmten Hauptzähnen ...

... und behaartem Stachelgrund (mouse it!)

Serie Pallidi (Filzlose Raspel-Brombeeren)
 

Braune Brombeere ...

... Rubus fuscus...

.. mit einem Schößling mit Stacheln, Stachelhöckern und Borsten (mousable!)

Serie Glandulosi (Drüsenreiche Brombeeren)
 

Träufelspitzen-Brombeere (Rubus pedemontanus) ...

... mit großen, meist dreizähligen Blättern mit Träufelspitze
   

Sektion Corylifolii (= Rubus corylifolis agg., Haselblattbrombeeren)
- Subsektion Sepincola
-- Serie Suberectigini


Eingeschnittene Brombeere (Rubus incisior) ...

... mit lang gestieltem, auffällig rundem Endblättchen ...

... und weit auseinander stehenden Stacheln
 
Sektion Corylifolii (= Rubus corylifolis agg., Haselblattbrombeeren)
- Subsektion Sepincola
--
Serie Subsilvatici

Bewimperte Haselblattbrombeere (Rubus camptostachys) ...

.. mit stark eingetieften Blattadern

Die Flauschige Haselblattbrombeere ...

... Rubus nemorosus

mit filzig behaarter ("schmusewolliger")...

... Blattunterseite
   
Sektion Caesii (Kratzbeeren)

Eine nicht benennbare Primär-Hybride der (sexuellen) Kratzbeere ...

... Rubus caesius (hybr.)...

mit für die Kratzbeere typisch bereiften Sprossen, aber anders als die Kratzbeere aufrecht wachsend....

... und mit vielen fehlgeschlagenen bzw. unterentwickelten Früchten.

Und noch eine Hybride, diesmal benennbar:: ...

... die Bastard-Brombeere (Rubus x pseudidaeus), ...

.. die Hybride aus Kratzbeere (Rubus caesius) und Himbeere (Rubus idaeus)
   

Und ein Fund, der besondere Freude hervorrief ...

... die Mülheimer Brombeere (Rubus keilianus), benannt nach dem Mülheimer Geograph und Botaniker Dr. Peter Keil, ...

... bzw. noch nicht benannt, aber in der Vorbereitung duch G. H. Loos.

Eine Brombeer-Art, die aufgrund des heutigen Fundes die 50 km Arealgröße erreicht hat, die auch nach der Weber-Schule eine Beschreibung einer Brombeer-Art gerechtfertigt.

Und zum Abschluss noch ein paar Sandarten

Kleiner Vogelfuß ...

... Ornithopus perpusillus

Gewöhnlicher Reiherschnabel
 
 
Ansprechpartner: Armin Jagel