Bochumer Botanischer Verein e. V. - Exkursionen
Bochum-Dahlhausen: Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs - 01.05.2010


Bahnbrachen und Bahnstrecken, die nicht mehr oder nur noch selten befahren werden, sind Wuchsort einer Reihe besonderer Pflanzenarten. Darunter befinden sich an den kargen Standort angepasste Magerkeits-, Trockenheits- und Hitzezeiger. Vor allem einjährige Pionierpflanzen besiedeln die Rohböden und offenen Gleisschotter. In Bochum sind heute mehr als die Hälfte der Rote-Liste-Arten auf Bahn- und Industriebrachen zu finden, ein Drittel wächst ausschließlich hier. Die besuchte Bahnbrache war eine der wertvollsten in Bochum, bis sie zunehmend zugebaut wurde. Doch immer noch sind in einigen Restflächen botanische Seltenheiten zu entdecken. Auf dieser Exkursion waren Frühblüher unter ihnen von besonderem Interesse.

Protokoll



Trotz der vornächtigen Feierlichkeiten zur Walpurgisnacht fand sich doch ein erstaunlich großes Grüppchen ein.

Einführung ins Gebiet und seine jüngere Geschichte

Noch 2003 war das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs eine typische Bahnbrache ...

... mit großer Ausdehnung und vielen seltenen Pflanzenarten, die wertvollste Bahnbrache Bochums.

Dann kam der Ruhrauen-Park, ...


... mit dem der Großteil des Gebietes überbaut wurde. Viele der seltenen Arten der Bochumer Flora sind dadurch verschwunden.


Auch die im Westen noch übrig gebliebenen Freiflächen sind für eine Bebauung vorgesehen und werden bereits dafür vorbereitet.
 

Nur auf wenigen Flächen in der Nachbarschaft des Eisenbahnmuseums ...

.. sind zumindest bisher noch typische Bahnbrachenbereiche vorhanden.

Die Welt der frühen Zwerge
 

Feld-Ehrenpreis (Veronica arvensis)

Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna)

... mit tief geteilten Kronblättern, heute wird die Art zur Gattung Draba gestellt (Draba verna)

Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana), ...

... die Pflanze der Genetiker

Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites) ...

... mit dreigeteilen Blättern

Knäuel-Hornkraut (Cerastium glomeratum), ...
 

... und Sand-Hornkraut (Cerastium semidecandrum), mit breit hautrandigen Hochblättern (Pfeile) ...

... und nur 5 Staubblättern (semi-dec-andrum = halb-zehn-männlich)

Viele Pflanzen sind noch wenig spektakulär, weil ihre Zeit erst noch kommt ...

Natternkopf (Echum vulgare), später mal auffällig blau blühend)

Weiße Fetthenne (Sedum album), später mal weiß blühend

Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra), blühend auch nicht schöner aussehend ...

Nachtkerze (Oenothera spec.), Neophyt aus Nordamerika

Gewöhnlicher Dost, Oregano, Wilder Majoran (Origanum vulgare)

Steinklee (Melilotus spec.) ...


... , die Blättchen sind fast immer irgendwo angefressen


Wasserdost (Eupatorium cannabinum)

Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum) mit "durchstochenen" Blättern, u. a. gegen Depressionen verwandt.
 

Blühendes
 

Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis arenosa)...

.. typisch für Bahngelände ...

... wird neuerdings zur Gattung Arabidopsis gestellt.

Feld-Hainsimse oder auch Hasenbrot (Luzula campestris)

Löwenzahn (Taraxacum spec.)

... oder auch Pusteblume. Weithin bekannt und schön für den Ästhet, aber schwierig und weitestgehend unbekannt für den Systematiker

Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum), im Unterschied zum neophytischen Purpur-Storchschnabel (Geranium purpureum) mit größeren Blüten und purpurnen Staubbeuteln

Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)

Zymbelkraut ...

... Cymbalaria muralis

Taube Trespe (Bromus sterilis) ...

.. mit der für alle Bromus-Arten typischen, geschlossenen Blattscheide

Die "böseste" Pflanze des vergangenen Jahres

Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea)

Ein paar Highlights
 

Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella locusta) ...

... ursprünglich ein Ackerunkraut, ...

... die Wildform des Feldsalates auf dem Teller

Feld-Kresse ...

.. Lepidium campestre ...

... von den Feldern heute bei uns verschwunden.

... Eine Rote Liste-Art.

Die Grundblattrosette vom sehr seltenen Giftlattich (Lactuca virosa), der auf dem Gelände mal ein großes Vorkommen hatte, bis es überbaut wurde ...

... der Milchsaft riecht jedenfalls vielversprechend (der Wuchsort wird später zur Blütezeit noch mal aufgesucht)

Waldbrettspiel (Pararge aegeria), wohl ein Erstfund für Bochum

Gelegentlich passieren historische Bahnen aus dem Eisenbahnmuseum das Gebiet, ...

... da kann man leicht Zug bekommen.

Vorwaldstadien
 

Gebüsch aus Sommerflieder (Buddleja davidii) ...

... der in diesem Winter große Frostschäden davon getragen hat.

Sal-Weide (Salix caprea)

Sand-Birke (Betula pendula)

Bastard-Birke (Betula x aurata) ...

... Betula pendula x Betula pubescens

Robinie (Robinia pseudoacacia)

... am Boden liegende Früchte des Vorjahres

An Böschungen und auf Erdhügeln
 
 

Macht Spaß: ...

.. der Weiche Frauenmantel (Alchemilla mollis), eine verwilderte Gartenplanze

Macht gesund: Schöllkraut (Chelidonium majus) ..

... dessen oranger Milchsaft gegen Warzen eingesetzt wird.

Macht Wühlmäuse weg: Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris)

Macht kirre: Stechapfel (Datura stramonium)

Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis), mit den gattungstypischen 4 Kronblättern und 2 Staubblättern

Wald-Vergissmeinnicht oder auch Garten-Vergissmeinnicht (Myostis sylvatica, Kulturform), verwildert aus Gärten

Acker-Fuchsschwanz (Alopecurus myosuroides), eines der letzten Ackerunkräuter

Bärlauch (Allium ursinum) aus dem Garten

Acker-Hellerkraut ...

... Thlaspi arvense ...

... mit seinen typischen Früchten

Barbarakraut (Barbarea vulgaris) ...

.. und seine Grundblätter

Acker-Senf ...

... Sinapis arvensis

... mit borstigen, grünen Blättern

Raps (Brassica napus) dagegen ...

... mit glatten, bläulichen Blättern die an der Basis den Stängel umfassen

Nachvollziehungen und ...

.... Nachbereitungen (mouse it!)
Literatur mit Bezug zum Gebiet:
JAGEL, A. 2004: Zur Situation der Flora auf Industrie- und Bahnbrachen in Bochum/Westfalen. - Florist. Rundbr. (Bochum) 37: 53-73.
JAGEL, A. & GAUSMANN, P. 2009: Zum Wandel der Flora von Bochum im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) in den letzten 120 Jahren. - Online-Veröff. Bochumer Bot. Ver. 1(1): 1-47.
JAGEL, A., SARAZIN, A. & MÜLLER, S. 2000: Der Giftlattich (Lactuca virosa L.) in Bochum. – Natur & Heimat (Münster) 60(2): 33-38
 
Ansprechpartner: Armin Jagel