Bochumer Botanischer Verein e. V. - Exkursionen
Bochum-Gerthe: Gewerbepark und Halde Lothringen - 02.09.2012


Ein Teil der Brachen der ehemaligen Zeche Lothringen wurde "inwertgesetzt" und stellen heute den Gewerbepark Lothringen dar. Trotz der angesiedelten Betriebe sind hier noch Brachflächen vorhanden auf denen sich eine charakteristische Flora eingefunden hat. Andere Stellen wurden eingesät, z. T. als Renaturierung verstanden.

Östlich davon liegt die etwa 18 ha große, langgezogene Halde Lothringen 1/2. Sie wurde das letzte Mal im Jahr 1967 geschüttet. Vom Typ her handelt es sich um eine Bergehalde in Form eines Tafelberges. Der höchste Punkt liegt bei etwa 140 m ü. NN, dabei 15 m über dem Umgebungsniveau. Auf Grund des Alters der Halde ist sie heute eher arm an Höheren Pflanzen. Die Hänge sind mit Pionierwäldern bewachsen, in denen die Sand-Birke dominiert. Das Plateau ist noch weitgehend offen, zum Großenteil sogar vegetationsfrei, weil es intensiv von Mountain-Bikes und Mountain-Cars befahren wird.

Literatur: VOLLMER, M. & BERKE, W. 2010: Oben. Haldenlandschaft Ruhrgebiet. - Essen: Klartext.

Leitung: Dr. A. Jagel

Protokoll



Im Gewerbepark Lothringen...


... mit den "Drei großen Herren": Industriebrachenkunstwerke, die die ehemaligen Schornsteine der Zeche Lothringen 1/2 symbolisieren. Sie stehen auf einem Hügel aus belastetem Boden der ehemaligen Pechkokerei.
 

Bitterkraut ...

... Picris hieracioides


... mit Haftkraft (mouse it).


Die haben auch die Früchte des Kleinen Odermennigs (Agrimonia eupatoria)

Tannenbäumchen am Boden ...

... ein klebriger, duftender Neubürger aus dem Mittelmeergebiet ...

... der Klebrige Alant
(Dittrichia graveolens)

Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare)

Die wärmeliebende Wespenspinne
(Argiope bruennichi)

Ein Pferd auf der Schulter (Tettigonia viridissima)

Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos)

Typische Neophyten der Ruhrpottbrachen: Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana aus Nordamerika)

Norwegisches Fingerkraut ...

... Potentilla norvegica mit dreifingerigen Blättern (aus Nordeuropa),

... Mittleres Fingerkraut ...

... Potentilla intermedia, mit fünffingerigen Blättern (ebenfalls aus Nordeuropa).

Vielleicht eigenständig hierher gekommen

Gewürzpflanzen wie Feld-Thymian
(Thymus pulegioides) ...
 

... und Oregano ...

... Origanum vulgare

Vielleicht eingesät (jedenfalls heimisch)

Bunte Kronwicke (Securigera varia)

Moschus-Malve (Malva moschata)

Einer der drei großen Herren.

Moderne Kunst der anwohnenden Jugend

Sicher eingesät
 

Selten gesehen: "Lebendgebärende" Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Pseudoviviparie.

Heide-Nelke (Dianthus deltoides),
Blume des Jahres 2012

Steppen-Salbei (Salvia nemorosa)

Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria)

Sicher auch aus Ansaat entstanden, ...

... aber stark ausgebreitet und nunmehr seit etlichen Jahren hier vorhanden ...

Steinbrech-Felsennelke ...

... Petrorhagia saxifraga

Eine Platterbse gibt Rätsel auf ...
 

... und stellt sich als Behaarte Platterbse heraus ...

... (Lathyus hirsutus) mit auffällig behaarten Früchten. Erstmalig gefunden in Bochum!

Pappel-Hybriden mit Populus maximowiczii ...

Und auch mal was Heimisches: fruchtender Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)

Die Halde Lothringen 1/2
 

Auf dem Plateau wächst wenig.

Ein Grund dafür.

Aber Sand-Birken erobern das Gebiet.

Nochmal und diesmal in großen Mengen ...

... und nochmal fotografiert

Dittrichia graveolens

Heimisch in NRW, aber nicht unbedingt in Bochum, der Dürrwurz-Alant (Inula conyzae)

Aus der Gruppe der Kleinblütigen Nachtkerzen ("parviflora"): Isslers Nachtkerze (Oenothera issleri) ...
 

... und eine Art mit roten Kelchen, die keinen Namen hat: ...

Eine bisher wohl noch unbeschriebene Art.

Hunds-Rose (Rosa canina)

Sparrige Zwergmispel (Cotoneaster divaricatus)

Urzeitliches gibt es auch ...

... wie z. B. dieser Samenfarn

Höchste Stelle erreicht ...

... Blick in die grüne Idylle


Aber Vorsicht am ungesicherten Steilhang...

... 15 m geht es in die Tiefe.

Gleise ins Nichts.

Entlang des Halden-Grates das 220 m lange Haldenkunstwerk "Über(n) Ort"

 
Ansprechpartner: Armin Jagel