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Baum
des Jahres 2009
Berg-Ahorn - Acer pseudoplatanus (Aceraceae)
Veit Dörken
Porträt
als pdf
Natur
des Jahres
Der Berg-Ahorn
stammt aus der Familie der Ahorngewächse (Aceraceae), die rund 200
weitere Vertreter der Gattung Acer umfasst. Er ist in Deutschland
heute weit verbreitet, obwohl die Art ursprünglich z.B. im niedersächsischen
Tiefland, in Schleswig-Holstein und im Rheingraben nicht heimisch war.
Aufgrund vielfacher Anpflanzungen verwilderte der Berg-Ahorn dann jedoch
zunehmend. In Reinbeständen kommt bzw. kam die Art allerdings überall
nur selten vor.
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im Winter am Naturstandort
in Österreich
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im Winter auf dem Friedhof
Bochum-Weitmar |
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Formen
Der Berg-Ahorn weist in Mitteleuropa drei Formen auf, die sich in Blatt-
und Fruchtfärbung von der Stammform unterscheiden:
- Acer pseudoplatanus f. atropurpurea: Blattunterseite
auffallend dunkel purpurviolett gefärbt (Blut-Ahorn)
- Acer pseudoplatanus f. erythrocarpum: Fruchtflügel
leuchtend rot
- Acer pseudoplatanus f. variegata: Blattspreiten
weiß panaschiert.
Das, was von Botanikern als Formen betrachtet wird, wird bei den Gärtnern
meist als Sorte bezeichnet, also Acer pseudoplatanus 'Atropurpureum'
etc. In der Gartenkultur
finden besonders sie Sorten (= Kultivare) häufig Verwendung als Solitärgehölze.
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Blut-Ahorn (Acer pseudoplatanus
f. atropurpureum)
im Botanischen
Garten/Rombergpark in Dortmund
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2008, die f. atropurpureum
wild im NSG Langeloh/Herne (Bochumer Botanischer Verein) |
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Blut-Ahorn (Acer pseudoplatanus
f. atropurpureum), mit rot gefärbter Blattunterseite |

Berg-Ahorn, die forma erythrocarpum
mit rot gefärbten Früchten |
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Gestalt und Borke
Der Berg-Ahorn ist ein raschwüchsiger Großbaum, der Höhen
von bis zu 30 m erreichen kann und damit die größte einheimische
Ahorn-Art darstellt. Im Alter ist die hochgewölbte Krone meist doppelt
so breit wie hoch. Der Stamm weist eine ausgeprägte Schuppenborke
auf, bei der sich die Borke in mehr oder weniger großen Platten
vom Stamm ablöst, so dass er eine interessante braune, rote und beige
Färbung erhält. Das Wurzelsystem ist weit- und tiefstreichend
mit einem hohen Anteil an Faserwurzeln im oberen Bodenhorizont.
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2008 im Stadtpark Bochum |
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2008 im Rombergpark |
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Knospen und Blätter
Die Knospen des Berg-Ahorns sind grün. Die recht spät austreibenden,
gegenständigen Blätter sind bis zu 30 cm lang und breit und
deutlich fünflappig und führen keinen Milchsaft. Die Blattunterseite
ist teilweise etwas behaart. Im Herbst wandelt sich die zuvor olivgrüne
bis dunkelgrüne Blattfärbung in ein leuchtendes Goldgelb.
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Knospen |

Austrieb einer Blütenknopse im Frühjahr |
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Blatt am Boden liegend |

vereiste Nervatur eines
Blattes |
Blüten
Die Blüten sitzen in lang herabhängenden Blütenständen
(im Gegensatz zu den aufrechten beim Spitz-Ahorn), die zwar bis 40 cm lang
werden können, in der Regel aber deutlich kürzer sind. Die Blütezeit
liegt nach dem Laubaustrieb im Mai. Die Rispen weisen zahlreiche kleine,
unscheinbar gelblichgrün gefärbte Einzelblüten auf, die im
zeitigen Frühjahr eine wichtige Nektarquelle für Honigbienen darstellen.
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hängende Blütenstände
des Berg-Ahorns |

Blüte des Berg-Ahorns,
der Fruchtknoten weist bereits kleine Flügel auf |
Früchte
Die Früchte sind Spaltfrüchte, die zur Reife in zwei Teilfrüchte
(geflügelte Nüsschen) zerfallen. Die Fruchtflügel stehen
dabei in einem spitzen Winkel zueinander. Die Fruchtflügel bewirken
beim Abfallen der Frucht eine propellerartige Flugbewegung, so dass das
Nüsschen weit durch den Wind ausgebreitet werden kann. |

junge Frucht |

reife Früchte am Baum |

reife Früchte am Baum |
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| Der Berg-Ahorn
ist eine sich stark aussamende Art, die sich schnell ausbreiten kann und
in Mischbeständen aufgrund der hohen Schattenverträglichkeit der
Jungpflanzen schnell an Dominanz gewinnen kann. Auch im besiedelten Bereich
keimt sie reichlich in Pflasterritzen und auf Ruderalplätzen. |

reichlich Sämlinge
an einem Waldrand |

Sämlinge in einem
Parkrasen |

einzelner Sämling |
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Keimling auf dem Universitätsgelände in Bochum (2008, A. Jagel) |

Keimling auf einem Schiffswrack
in Cuxhaven (2006, A. Jagel) |

Keimlinge an einem Bordstein
in Cuxhaven (2006, A. Jagel) |

Jungpflanze in einer Bauruine in Bochum-Grumme (2006, A. Jagel) |
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Holz
Der Berg-Ahorn zählt zu den wenigen wertvollen Edelholzbäumen,
die wir in Mitteleuropa haben, er wird zu den weichen Ahornhölzern
gerechnet. Das nach der Politur weiße und glänzende Holz ist
meist gerad-, gelegentlich auch gewelltfaserig. Aufgrund der Holzfarbe
wird der Berg-Ahorn volkstümlich auch als Weißboom oder Weißholz
bezeichnet. Gegenüber den harten Ahornhölzern (wie z. B. von
Acer saccharum) ist es wesentlich leichter zu bearbeiten. Es weist eine
feine Textur mit breiten und dicht gestellten Markstrahlen auf und zeigt
deutliche Jahresringe. Als Splintbaumart sind Kern- und Splintholz gleichgefärbt,
nur gelegentlich findet man bei sehr alten Individuen einen dunkleren
"Falschkern". Das Holz zeigt eine ähnliche Festigkeit wie
das der Buche. Es zeigt eine mäßige Schwindung und ein gutes
Stehvermögen, sowie eine hohe Abriebfestigkeit. Unbehandeltes Holz
des Berg-Ahorns ist jedoch in Außenbereichen oder in feuchten Innenräumen
problematisch, da es nur sehr bedingt witterungsbeständig ist, weswegen
es nicht als Bauholz verwendet werden kann.
Dagegen eignet es sich schon immer gut für verschiedene Gebrauchsgegenstände,
so fertigte man früher Walzen, Ölstampfen, Dreschflegel, Radzähne
und Küchenutensilien (Schüsseln, Teller, Löffel, Kannen)
aus Ahornholz, aber auch Schrauben oder Kufen für Schlitten. Besonders
schön gemaserte Stücke wurden zu Gewehrschäften verarbeitet.
Heute verwendet man das Holz des Berg-Ahorns eher im Möbelbau für
Vollholz oder Möbelfunier und Parkett. Zudem wir es immer noch im
Musikinstrumentenbau (Ton- oder Resonanzholz) besonders zur Herstellung
von Geigen und Gitarren verwendet. In Böhmen wurde der Baum daher
auch als "Lautenbaum" bezeichnet.
Im Holzhandel
wird nur selten zwischen Acer platanoides und Acer pseudoplatanus
unterschieden, da sich das Holz beider Arten in Ihren Eigenschaften
sehr ähnelt.
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Krankheiten
Der Berg-Ahorn ist besonders anfällig gegenüber Ahornrunzelschorf,
Teerfleckenkrankheit, Gallmilben, Wildverbiß und Mäusefraß. |

frische Blätter mit
Ahornrunzelschorf |

abgefallenes Blatt mit
Ahornrunzelschorf |
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Unterschiede zwischen
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Spitz-Ahorn
(Acer platanoides)
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Acer
pseudoplatanus
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Merkmal
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Acer
platanoides
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fünflappig
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Blätter
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fünf-
bis siebenlappig
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spitz
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Blattbuchten
zw. den Lappen
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stumpf
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meist
leicht behaart
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Blattunterseite
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kahl
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ohne
Milchsaft
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Blattstiel
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milchsaftführend
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Schuppenborke
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Borke
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lange
glatt bleibend, im Alter stark längsrissig
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grün
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Farbe
der Knospenschuppen
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rot
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im
Mai nach dem Laubaustrieb
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Blütezeit
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im
(März) April, vor dem Laubaustrieb
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Rispe,
hängend
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Blütenstand
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Doldentraube,
aufrecht
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grünlich
gelb
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Blütenfarbe
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leuchtend
schwefel- bis zitronengelb
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stehen
in einem spitzen Flügel zueinander
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Fruchtflügel
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weit
gespreizt
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kugelig
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Nüsschen
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flach
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Auswahl von Sorten |

Acer pseudoplatanus
'Brilliantissimum' im Frühjahraustrieb |

Acer pseudoplatanus
'Brilliantissimum' im Frühjahraustrieb |

Acer pseudoplatanus
'Prince Camille de Rohan', im Frühjahrsaustrieb |

Acer pseudoplatanus
'Prinz Handjery' im Frühjahrsaustrieb |

Acer pseudoplatanus
'Puget Pink', Sommerlaub |

Acer pseudoplatanus
'Spring Gold' im Frühjahrsaustrieb |