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Heimlich
im Verborgenen - die Koniferen blühen Wann eigentlich blühen Nadelbäume? Im Volksmund wird manchmal der Zeitraum so genannt, bei dem die "Tannen" im Frühjahr frischgrün austreiben. Die wirkliche Zeit der "Blüte" bleibt aber dem ungeübten Augen meist verborgen. Dabei muss erwähnt werden, dass es bei Wissenschaftlern oft skeptisch betrachtet wird, wenn man bei Koniferen von "Blüte" und "blühen" spricht, da Blüten im eigentlichen Sinne ja erst bei den "Blütenpflanzen" (Angiospermen) entwickelt werden. Andere Bezeichnungen sind allerdings sprachlich unglücklich und wirken außerhalb der Wissenschaft künstlich. Koniferen blühen in der Regel im Winter oder im zeitigen Frühjahr, bei ungewöhnlich warmen Wetter manchmal auch auch schon im Spätherbst. Die jungen Zapfen sind zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig angelegt. In vielen Fällen blühen Koniferen unauffällig. Ihre Blüten sind sparsam ausgestattat, vergleicht man sie mit denen der echten "Blütenpflanzen", also z. B. einer Rose oder einem Mohn. Es gibt bei den Koniferen keine Blütenblätter und es gibt auch keine Fruchtblätter: Die Samenanlagen stehen "nackt" in den Achseln oder auf der Fläche einer Zapfenschuppe, weswegen man die Koniferen zur Gruppe der Nacksamer (Gymnospermen) zählt. So brauch man bei vielen Koniferen einige Übung, die Blüten überhaupt zu finden. Bei den Zypressengewächsen (Cupressaceae) z. B. köappen an luftfeuchten, frostfreien Tagen einfach ein paar Schuppenblätter zur Seite und geben die Samenanlagen zur Bestäubung frei. Zu diesem Zeitpunkt sind die Zapfen aufgrund ihrer geringen Größe als solche kaum zu erkennen. Manchmal haben die Zapfenschuppen zwar bereits jetzt eine andere Farbe als die Blätter, nötig ist dies aber nicht, denn die Koniferen weden nicht von Tieren bestäubt, sondern vom Wind. |
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![]() Chamaecyparis pisifera (Sawara-Scheinzypresse, Cupressaceae), Zapfen zur Blütezeit |
![]() Cupressus x leylandii (= x Cupressocyparis leylandii, Leyland-Zypresse, Cupressaceae), Zapfen zur Blütezeit. Diese gärtnerische Züchtung wird häufig als wüchsige Heckenpflanze verkauft. |
Auffälliger dagegen sind die meisten blühenden Zapfen der Kieferngewächse (Pinaceae), hier kann man schon aufgrund der Größe, manchmal auch an der Farbe deutlich erkennen, dass sie blühen. Die Blüten selbst sind hier aber nicht zu sehen. Sie stecken tief verborgen im Zapfen, der aus morphologischer Sich einen Blütenstand darstellt. |
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![]() Abies koreana (Korea-Tanne, Pinaceae), blühender Zapfen |
![]() Pinus mugo (Berg-Kiefer, Pinaceae), blühender Zapfen |
![]() Larix decidua (Europäische Lärche, Pinaceae), blühender Zapfen. |
![]() Mit etwas blasseren Zapfen Larix kaempferi (Japanische Lärche, Pinaceae). |
| Anders als die tierbestäubten Arten überlassen die Koniferen, wie auch andere windbestäubte Gehölze, die Bestäubung in einem hohen Maße dem Zufall. Der Pollen wird durch den Wind verdriftet, breitet sich aber ansonsten ungerichtet aus und ist völlig unabhängig von den bestäubungsfähigen Samenzapfen unterwegs. Die Koniferen haben allerdings eine reihe von Mechanismen entwickelt, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auf der reifen Samenanlage auch wirklich ein Pollenkorn landet. Dazu haben wird zunächst einmal eine riesige Menga an Pollen in den Pollenzapfen (männliche Blüten) produziert, denn der allergrößte landet eben nicht auf Samenanlagen, sondern auf dem Erdboden oder besonders augenscheinlich auf auch auf Fenster- oder Autoscheiben. Eine gigantische Verschwendung, wenn man so will. | |
![]() Riesige Mengen von Pollen windbestäubter Arten in einer Pfütze am Straßenrand. Pollenkörner haben ihr eigentliches Ziel verfehlt: die Bestäubung der weiblichen Blüte |
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![]() Chamaecyparis lawsoniana (Lawsons Scheinzypresse, Cupressaceae), männliche Blüten |
![]() Chamaecyparis obtusa(Hinoki-Scheinzypresse, Cupressaceae), männliche Blüten |
![]() Männliche Blüte von Juniperus chinensis 'Blue Alps', ein häufig angebotenes, blaunadeliges Kultivar des Chinesischen Wacholders (Cupressaceae) |
![]() Thuja occidentalis (Abendländischer Lebensbaum, Cupressaceae), männliche Blüten. Eine der häufigsten gepflanzen Lebensbaum-Arten, die bei uns in vielen Sorten angeboten wird |
![]() Larix decidua (Europäische Lärche, Pinaceae), männliche Blüten |
![]() Pinus mugo (Berg-Kiefer, Pinaceae), männliche Blüten |
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Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass es Allergien gegen Koniferen-Pollen bei uns aus bisher ungeklärten Gründen so gut wie nicht gibt, der Allergiker kann also tief durchatmen. Die Blüten der Koniferen sind entweder einhäusig (monözisch) verteilt, wie z. B. bei den Lärchen, dann existieren eingeschlechtliche weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze. Oder aber sie sind zweihäusig verteilt (diözisch), dann gibt es weibliche und männliche Pflanzen, wie dies oft (aber nicht immer) bei unserem heimischen Gewöhnlichen Wacholder (Juniperus communis) der Fall ist. Zwittrige Blüten mit männlichen und weiblichen Anteilen, wie bei der Mehrzahl der Blütenpflanzen auftreten, gibt es bei den Koniferen nicht. Die männlichen Blüten erscheinen durch die Farbe der Pollen meist gelb (es wird angenommen, dass Gelbtöne besonders gut UV-Strahlung abhalten, deren schädigende Wirkung sich insbesondere bei Keimzellen negativ auswirken würde), sie können in Einzelfällen aber auch auffälliger gefärbt sein, wie z. B. bei einer unserer häufigsten Zierkoniferen, der Lawson-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana, Cupressaceae, vgl. Abb. oben). Um an den begehrten Pollen zu gelangen, ist bei den Koniferen (und auch anderen Gymnsopermen) etwas entstanden, was es bei den Blütenpflanzen so nicht gibt: Ein Bestäubungstropfen wird ausgebildet. Er ensteht in der Samenanlage und wird durch eine kleine Öffung an der Spitze, der Mikropyle, nach außen abgesondert, um den Pollen aus der Luft zu fangen. Kurze Zeit, nachdem Pollenkörner auf den Bestäubungstropfen aufgetroffen und in ihn aufgenommen worden sind, wird der Tropfen - zumindet bei den Cupressaceae - aktiv wieder eingezogen: Die Bestäubung ist vollzogen. Nun können die Pollenkörner in der Samenanlage keimen, einen Pollenschlauch ausbilden, die Eizelle befruchten und der Same wächst heran.
Hier ein paar Einblicke in die Mikrowelt einiger blühender Koniferen, die in unseren Gärten, Parks und auf Friedhöfen allgegenwärtig sind. |
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![]() Cupressus nootkatensis (= Chamaecyparis nootkatensis, Nutka-Scheinzypresse, Cupressaceae) aus Alaska, Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Thuja occidentalis (Abendländischer Lebensbaum, Cupressaceae) aus Nord-Amerika, Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Platycladus orientalis (= Thuja orientalis, Morgenländischer Lebensbaum, Cupressaceae) aus Ostasien, Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Taxodium distichum, Sumpfzypresse, Cupressaceae) aus dem Süden der USA, Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Cupressus sempervirens (Mittelmeer-Zypresse, Cupressaceae), Zapfen mit Bestäubungstropfen. Die Art wird bei uns nicht häufig gepflanzt, ist aber zumindest im subatlantisch geprägten Teil Nordrhein-Westfalens winterhart. |
![]() Juniperus chinensis (Chinesischer Wacholder, Cupressaceae), Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Juniperus sabina, (Sadebaum, Cupressaeae), der auch in den deutschen Alpen heimisch ist. Zapfen mit Bestäubungstropfen |
![]() Juniperus communis (Gewöhnlicher Wacholder, Cupressaceae), der auch in Westfalen wild vorkommt. Zapfen mit Bestäubungstropfen. |
Entsprechdne Bestäubungstropfen kommen (möglicherweise in einer etwas abwandelter Funktionsweise) z. B. auch bei der Europäioschen Eibe (Taxus baccata) und ihren Verwandten (Taxaceae) sowie bei den Kiefern (Pinus spec., Pincaeae) vor. Bei den Lärchen (Larix spp., Pinaceae) und Araukarien (Araucaria spp., Araucariaceae) allerdings fehlen sie. |
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![]() Harringtons Kopfeibe (Cephalotaxus harringtonia (Harringtons Kopfeibe, Taxaceae) aus Ost-Asien ... |
... beides Verwandte unserer heimischen Eibe (Taxus baccata), die in Deutschland aber nur in Botanischen Gärten und Spezialsammlungen vorkommen. |
Die Zypressengewächse haben neben der Einlagerung von Zuckern zur Steigerung der Viskosität weitere Mechanismen entwickelt, um die Größe des Tropfens zu erhöhen. Bei den echten Zypressen (Gattung Cupressus) z. B. und bei einigen Wacholder-Arten (Gattung Juniperus) laufen die Tropfen benachbarter Samenanlagen zu einem viel größeren, gemeinsamen zusammen. Hierdurch wird die Oberfläche zum Pollenfang deutlich vergrößert. Benachbarte Samenanlagen arbeiten also zusammen und es handelt sich dabei um ein selbstloses Miteinander, denn nicht jede beteiligte Samenanlage bekommt dabei ein Pollenkorn ab und verkümmert anschließend. Daher ist auch die Anzahl der Samenanlagen in einem Zypressenzapfen in der Regel sehr viel höher als die der letztlich herangereiften Samen.
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![]() Cupressus sempervirens (Mittelmeer-Zypresse, Cupressaceae) aus dem Mittelmeergebiet, Zapfen mit zusammenlaufenden Bestäubungstropfen |
![]() Cupressus duclouxiana (Cupressaceae) aus China, Zapfen mit zusammenlaufenden Bestäubungstropfen |
ZIn anderen Fällen scheinen die Samenanlage förmlich bemüht zu sein, ein Zusammenfließen ihrer Tropfen zu vermeiden, wie dies z. B. bei den Wacholder-Arten der Sect. Oxycedrus der Fall ist. Hier ist die Öffnung der Samenanlage (die Mikropyle) etwas schräg ausgebildet, so dass der Tropfen nach außen zeigt und damit von den anderen Tropfen weg. Der normal ausgebildete Zapfen innerhalb dieser Wacholdergruppe enthält nur drei Samen. Hier ist es offensichtlich sinnvoll, dass jede Samenanlage für sich alleine sorgt. Allerdings gibt es auch Zapfen mit wenigen Samenanlagen, bei denen die Tropfen zusammenfließen, wie z. B. bei der Nutka-Scheinzypresse (Cupressus nootkatensis, vgl. Abb. oben). Vielfach ist auch zu beobachten, dass Bestäubungstropfen an der unbenetzbaren, mit Wachsen überzogenen Oberfläche der Zapfenschuppe abgestützt werden. Auch hierdurch können sie erheblich größer werden. |
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![]() Juniperus conferta (Küsten-Wacholder, Cupressaceae) aus Japan. Die Bestäubungstropfen weisen voneinander weg. |
![]() Calocedrus formosana (Formosa-Weihrauchzeder, Cupressaceae) aus Taiwan. Die Bestäubungstropfen lehnen sich an der Zapfenschuppe an. |
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Viele Aspekte dieser eindrucksvollen Mirkowelt der Koniferen sind auch heute noch unbekannt oder sogar unerforscht. Man kann aber sagen, dass die Koniferen sich zwar nicht mit auffälligen Blüten schmücken, dafür aber im Verborgenen unbemerkt eine kleine faszinierende Welt darbieten, mit der man sich in den Wintermonaten beschäftigen kann und die sicherlich noch einige Überraschung bereit hält.
Pollination drops, pollination drop in conifers |
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