Bochumer Botanischer Verein e. V. - Bilder/pictures


Der Eierbaum

Armin Jagel

Eierbäume werden meist zur seltenen Lebensform der "ephemeren Nanophanerophyten" gerechnet. Dies ist aber nicht korrekt, da es sich offensichtlich eher um eine Art Infektion handelt. Betroffen sind verschiedene Sträucher unterschiedlicher Gattungen und sogar Familien. Zur Osterzeit "fruchten" die Sträucher in Form von hängenden Eiern prachtvoller Farben, ohne dass zuvor eine entsprechende Blüte beobachtet werden kann. In manchen Regionen Deutschlands ist es Tradition, sich fruchtende Äste in die Wohnung zu holen. Kurze Zeit nach Ostern verschwinden die Früchte wieder und die Sträucher geben den Rest des Jahres andere Arten vor. Über die Ökologie dieser bemerkenswerten Lebensform ist wenig bekannt, ob hier z.B. Parasitismus oder Symbiose vorliegt. Am ehesten dürfte es sich aber um eine Pilz-ähnlichen Organismus handeln, der die Sträucher unbemerkt infiziert. Natürliche Früchte sind hohl und leicht zerbrechlich, heute findet man jedoch häufiger auch anthropogene Plastikimitationen. Die Ausbreitung der Früchte soll durch Hasen erfolgen (Lepochorie). Die Art ist bisher nicht gültig beschrieben.


Eierbaum in Bochum (befallene Forsythie, Forsythia x intermedia)

Eierbaum in Bochum (befallene Forsythie, Forsythia x intermedia)

Eierbaum in Frankfurt (befallene Prunus-Art)

Eierbaum in Frankfurt (befallene Korkenzieher-Hasel, Corylus avellana 'Contorta')

Eierbaum in Ennepetal (Befall des bei uns nur sehr selten kultivierten Acer campbellii ssp. flabellatum var. yunnanense)

Eierbaum in Ennepetal (Befall des bei uns nur sehr selten kultivierten Acer campbellii ssp. flabellatum var. yunnanense)

Eierbaum in Ennepetal (befallener Buchsbaum, Buxus sempervirens)

Zweige des fruchtenden Eierbaums im Studentenwohnheim Roncalli-Haus in Bochum-Querenburg

Nur in sehr seltenen Fällen bewirkt der Befall durch einen Eierbaum sogar das Absterben des Wirtes. Erstmals für Bochum nachgewiesen: 2009 in Querenburg (Tod einer Mittelmeer-Zypresse, Cupressus sempervirens)