Bochumer Botanischer Verein e. V. - Veröffentlichungen - Abstracts


Jagel. A. & Gausmann, P. 2010: Zum Wandel der Flora von Bochum im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) in den letzten 120 Jahren. - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 1: 7-53.

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Zusammenfassung
in der vorliegenden Arbeit wird die historische Flora von Bochum (HUMPERT 1887) mit der rezenten Online-Flora von Bochum (JAGEL 2009) quantitativ und qualitativ verglichen. Der Wandel in der Flora wird exemplarisch anhand verschiedener Lebensräume dargestellt und der Landschaftswandel in Bochum aufgezeigt. Die darge¬stellte Entwicklung kann als typisch für die gesamte Region des Ballungsraumes Ruhrgebiet angesehen werden. Trotz der 142 ausgestorbenen Arten liegt die Gesamtartenzahl der dauerhaft ansässigen Arten in Bochum heute bei 779 und damit höher als bei HUMPERT (602 dauerhaft ansässige Arten). Die Anzahl der Neu¬zugänge überwiegt die Abgänge, dies wird beispielsweise durch den Anstieg eingebürgerter Neophyten von 26 (4 % der Gesamtflora) in HUMPERTS FLORA auf 110 (16 %) heute deutlich. Ein "Rückgang der Arten" liegt also quantitativ nicht vor, wohl aber qualitativ. Der tiefgreifende Wandel der Flora kommt im Wesentlichen durch einen deutlichen Rückgang der Arten landwirtschaftlicher Flächen (Äcker und Grünland) zustande. Insbesondere Arten mit Ansprüchen an nähr¬stoffarme Standorte sind deutlich im Rückgang begriffen. Einige dieser Arten konnten einen Standortwechsel auf Bahn- und Industriebrachen vollziehen und sind nur deswegen noch nicht aus dem Stadtgebiet verschwunden. Ungefähr die Hälfte der Rote-Liste-Arten Bochums wächst heute auf solchen Brachflächen (fast ein Drittel sogar ausschließlich), nur knapp ein Viertel dagegen in Naturschutzgebieten. Mit der zunehmenden Bebauung bzw. durch eine sog. "Inwertsetzung" dieser Brachen gehen nun auch diese Standorte zunehmend verloren und durch den Niedergang der Montanindustrie und dem bereits vollzogenen Strukturwandel fallen heute keine neuen Industrieflächen mehr brach, die diesen Flächenverlust kompensieren können. Es ist daher zu befürchten, dass viele der gefährdeten Arten in näherer Zukunft aussterben werden. Ebenfalls einen starken Rückgang erfuhren die Arten der Gewässer. Dieser begann bereits Ende des 19 Jhds. durch den Einfluss der Zechen und Schwer¬industrie, hält aber auch heute noch durch Eutrophierung der Landschaft und den hohen Freizeitdruck auf entsprechende Lebensräume an. Verglichen mit der verheerenden Situation dieser Lebensräume zu Zeiten des Bergbaus hat sich die Situation der Bachsysteme heute aufgrund erfolgter Renaturierungsmaßnahmen aber etwas gebessert.

Abstract
The floral change in Bochum (Ruhr Area, Germany) during the last 120 years
The present paper compares the historic flora of Bochum (HUMPERT 1887) with the recent online flora of Bochum (JAGEL 2009) quantitatively and qualitatively. The floral change will be pointed out and discussed based on different habitats as well as under the regional change of the city itself. The land-use changes in Bochum are characteristic for other cities in the Ruhr-Area. Despite the loss of 142 species, the total number increased to 779 since the year 1887 (602 as described in HUMPERT 1887). This is also the case after subtracting apomitic species to facilitate comparability. The numbers of observed new species are larger than the numbers of lost species, and the numbers of neophytes increased from 26 (4 % of the flora of HUMPERT) to 110 (16 %) today. The dramatic floral change is mainly due to a substantial decrease in species associated with agricultural areas (acres and grasslands), particularly species that are adapted to nutrient-poor sites. Some of these species managed to relocate to other suitable sites such as former train tracks and abandoned industrial sites, which is likely the only reason one can still find them in Bochum. Approximately 50 % of Bochum's red-listed species grow today on abandoned industrial sites; about 30 % occur exclusively in these habitats. With an increased utilization of these areas for building projects it is very likely that these species will become extinct in the near future. Furthermore, aquatic species experienced a dramatic decline since the end of the 19th century, which is mainly due to the impact of coal mines and heavy industry along with the associated pollution of aquatic habitats. Nowadays, freshwater ecosystems are also suffering under increased recreational activities such as boating or swimming. The recent situation however, has been improved slightly because of successful habitat restoration.

Keywords