Bochumer Botanischer Verein e. V. - Exkursionen
Hattingen: Geologisch-geomorphologische Exkursion am Isenberg - 03.11.2013


Am steilen Prallhang der Ruhr zwischen Hattingen und Niederwenigern ist die längste zusammenhängende Gesteinsfolge des Ruhrgebiets aufgeschlossen, deren südlicher Teil näher betrachtet wurde. Im Mittelpunkt standen die deutlich ausgeprägten Zusammenhänge zwischen der inneren geologischen Struktur des Steinkohlengebirges (geprägt durch Faltung, Verwerfungen und die Wechsellagerung von hartem Sandstein und weichem Schieferton) und dem heutigen Oberflächenrelief mit seinen markanten Bergrücken ("Eggen"), zu denen auch der Isenberg gehört.

Leitung: Till Kasielke

Ausführlicher Bericht


Die Exkursionsgruppe sammelt sich für...


einen Überblick über das Relief südlich der Ruhr in der Umgebung von Hattingen.

Es lauschen das mit Abstand jüngste Exkursionsmitglied, das je auf einer BoBo-Exkursion gesichtet wurde, ...

... und ihre stolzen Eltern.

Am Startpunkt des Profils, in einem kleinen Tal nördlich des Grenzberges, werden zunächst die Grundlagen zur Geologie des Oberkarbons aufgefrischt.

 

 

 

 

 

 

 


Während der Exkursion wurde der Abschnitt vom Tal nördlich des Grenzberges bis zum Isenberg näher untersucht.


Es beginnt mit der Flözgruppe Wasserbank im Hangenden des Wasserbank-Sandsteins. Zu sehen sind zwei gut ausgebildete, senkrecht stehende Flöze.

Unmittelbar links (südlich) vom Flöz ist das Gestein bräunlich gefärbt und die Schichtung gestört. Es handelt sich um den Wurzelboden des Flözes, der uns anzeigt, wo vor der Gebirgsfaltung oben und unten war.

In den umgebenden Gesteinen finden sich mehrere Fossilien, u.a. dieser fossile Abdruck eines Treibholzes, vermutlich ein baumgroßer Schachtelhalm.

Und direkt unterhalb in einem Graben verwildert sein heutiger, deutlich kleinerer Nachfahre (Equisetum hyemale var. affine).

Richtung Süden folgen mehrere senkrecht stehende Sandsteinschichten: Der Wasserbank-Sandstein,


der Gottessegen-Sandstein und schließlich der Kaisberg-Sandstein.


Nach der Querung des Stockumer Sattels tut sich was: hier steht erneut der Kaisberg-Sandstein an, der diesmal aber deutlich nach links (Südosten) einfällt. Erkennbar ist auch die typische Abfolge von dickbankigem Sandstein unten hin zu dünner geschichtetem Sandstein oben.

Wir queren das Balkhauser Tal...

... und besteigen den...

... Isenberg mit der Burgruine...

... Isenburg.

Hier wohnte Anfang des 13. Jh. Friedrich von Isenberg.

Nachdem er den Erzbischof Engelbert I. von Köln umgebracht hatte, wurde er in Köln aufs Rad geflochten, nachdem man ihm zuvor alle Knochen gebrochen hatte.

Das Haus Custodis innerhalb der Burganlage wurde erst im 19. Jh. errichtet.

Im Halsgraben hinter dem Bergfried, der die Burg gegen die südwestliche Verlängerung des Bergrückens abgrenzt, tritt erstaunlicherweise erneut der Kaisberg-Sandstein auf, der genau wie am Kressenberg nach Südosten einfällt.
Diese merkwürdige Erscheinung wird durch eine Störung verursacht, an der die Gesteinspakete übereinander geschoben wurden, wodurch sich die Gesteinsfolge an der Oberfläche wiederholt. Die sogenannte Satanella-Überschiebung ist die südlichste bedeutende Überschiebung im Ruhrkarbon und lässt sich aus dem Gebiet südlich von Essen-Kupferdreh bis in den Dortmunder Raum verfolgen. Ebenso wie die Sättel und Mulden verlaufen die Störungen somit in Richtung SW-NE. Der Höhenversatz der Schichtpakete beträgt hier etwa 300 m. Die Einschneidung des Balkhauser Tals wurde durch die Zerrüttung der Gesteine im Bereich der Störungszone begünstigt.
   
 
Ansprechpartner: Till Kasielke